Eine Maskerade

Das von Saudi-Arabien finanzierte „König-Abdullah-Zentrum “ veranstaltete in Wien eine Konferenz zum Thema Hassrede und Hetze. Die Maskerade des Öl-Regimes ist kaum zu glauben.

Saudi-Arabien gilt als geistige Wiege des radikalen Islamismus. Das Land tritt Menschenrechte mit Füßen. Die renommierte „Neue Zürcher Zeitung“ listete Beispiele auf:

  • Der Blogger Raif Badawi wurde zu 10 Jahren Haft, 1.000 Peitschenhieben und 194.000 Euro Strafe verurteilt, weil er im Internet Juden, Christen, Muslime und Atheisten als gleichwertig bezeichnet hatte. Er sitzt mit 30 Häftlingen in einer Zelle, die nur 20 m2 groß ist.
  • Ein Damenschneider wurde von der saudischen Polizei zu Tode geprügelt, weil er Frauenkleider getragen hat.
  • Ein 17-Jähriger wurde in Einzelhaft gesperrt, gefoltert und zum Tode verurteilt, weil er gegen das Königshaus demonstriert hat.
  • Ein Journalist erhielt sieben Jahre Haft, weil er für Frauenrechte geworben hat.
  • „Möge Gott ihre Herzen zusammenbringen – für das Wohl der Menschen“, schrieb ein Imam auf Twitter, um für Frieden mit Katar zu werben. Er sitzt seit mehr als einem Jahr in Haft. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe.

15 von 19 Attentätern der Terroranschläge vom 11. September waren saudische Staatsbürger. Laut US-Senator Bob Graham hat „Saudi-Arabien den islamistischen Terror auf US-Boden finanziert und systematisch unterstützt“. Die „New York Times“ titelte spöttisch: „Saudi-Arabien, der IS-Staat, der es geschafft hat“. Denn in der ultra-reaktionären Öl-Monarchie stehen öffentliche Scharia-Strafen wie Enthauptungen, Steinigungen, Auspeitschungen, Abhacken der Hände und Religionspolizei an der Tagesordnung. Weder Kreuz noch Bibel noch Einreise von Juden sind gestattet. „Die ganzen Hassprediger, die wir haben, kommen aus Saudi-Arabien. Die sind dort ausgebildet worden und das ist die fünft Kolonne, die wir bei uns haben“, sagte Nahost-Experte Peter Scholl-Latour schon vor Jahren.

Und ausgerechnet das von Saudi-Arabien finanzierte „König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ veranstaltete vor zwei Wochen in Wien eine Konferenz über „Die Macht der Worte: Die Rolle von Religion, Medien und Politik im Kampf gegen Hassrede“! Mehr noch: Alt-Bundespräsident Heinz Fischer hielt die Eröffnungsrede, obwohl sich unser Parlament für die Schließung des umstrittenen „König-Abdullah-Zentrums“ ausgesprochen hat.

Jan Fleischhauer schrieb in seiner Kolumne für den „Spiegel“ mit dem Titel „Unser Freund, der Kopf-ab-Saudi“ generell: „Es ist jetzt viel von der Verteidigung unserer Werte die Rede. Vielleicht sollte man damit anfangen, nicht länger mit Leuten zu poussieren, die einen Apartheidstaat am Laufen halten, gegen den Südafrika selbst zu seinen schlimmsten Zeiten eine Vorzeigerepublik war. Apartheidregime haben es oft an sich, dass sie über Dinge verfügen, die andere gerne besitzen würden. In Südafrika waren das Gold und Diamanten, mit denen sich die Machthaber Nachsicht erkauften. In Saudi-Arabien sind es Öl und Stationierungsrechte für amerikanische Kampfflugzeuge.“

Artikel Krone Bunt

 

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