Mehr als bloß Honig

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ (Albert Einstein).

Wir stehen vor einer ökologischen Katastrophe samt Milliardenschäden. Das Massensterben der Bienen ist lebensbedrohend. Nahrungsmittel werden verschwinden oder deren Preise ins Astronomische steigen. Denn 75% der 115 weltweit wichtigsten Nutzpflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. In diesem Sinn ist Albert Einstein zu verstehen: keine Biene – keine Bestäubung – keine Pflanze – keine Tiere – keine Menschen.

Eine EU-Studie stellte bereits 2015 fest, dass in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide für das Bienensterben hauptverantwortlich sind. Doch Lobbyisten der Agrochemie-Konzerne haben ein umfassendes Verbot von Pflanzenschutzmitteln in der Agrarindustrie verhindert. Mehr noch: Eine neue Studie über massenhaftes Bienensterben und Pestizide wurde in der EU sogar untersagt!

Österreich ist von der Katastrophe besonders stark betroffen. Denn wir sind „Weltmeister des Bauwahnsinns“. Pro Minute werden 100 Quadratmeter Boden verbaut! Nur noch 7% von Österreichs Landesfläche ist als „sehr naturnah“ einzustufen. Wildtiere verlieren bei uns minütlich Lebensraum!

Es kostet 300 Milliarden Euro pro Jahr, wenn Obst und Gemüse von Menschen mit Wattestäbchen bestäubt werden. Das geschieht derzeit in China: „Mit Wattestäbchen bestäubte Esswaren“ sollen Ernteausfälle im kommunistischen Einparteienstaat kompensieren. Das ist dilettantischer Zynismus – auch wenn in Diktaturen das Ausbeuten von Arbeitskräften nichts kostet. 

Die USA hingegen haben dem Bienensterben schon unter Präsident Obama den Kampf angesagt. Das Thema hat landesweit höchste Priorität. Seit sechs Jahren müssen alle US-Bundebehörden durch Forschung, Aufklärung und Bodenpolitik die Lebensbedingungen für Bienen verbessern. Kein Wunder: Ohne Bienen drohen der US-Volkswirtschaft nicht nur Milliardenschäden durch Ernteausfälle. Die Selbstversorgung des Landes gerät in Gefahr. Und das wäre für die Supermacht äußerst verhängnisvoll.

Österreich braucht einen nationalen Aktionsplan, der lautet:

  • Umfassendes Pestizid-Verbot
  • Baustopp in naturnahen Raumen
  • Agrarsubventionen an umwelt- und artenschonende Landwirtschaft koppeln
  • Erweiterung der Nationalparks
  • Aufklärung in Schulen (Bienenpatenschaften übernehmen)

Wir haben im Religionsunterricht Sätze gehört, wie „Gehet hin und vermehret euch“, „Macht euch die Erde untertan“ und „Der Mensch ist die Krone der Schöpfung“.

Das mag vor 2000 Jahren für öde Wüstenregionen zutreffend gewesen sein. In den biologisch-vielfältigen Ökosystemen Europas sollten wir ein ganzheitlicheres Denken entwickeln. Wir benötigen ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, den Tieren und Pflanzen – wie die Indianer Nordamerikas, die sagten: „Der Mensch ist nur ein Teil des Ganzen. Seine Aufgabe ist die eines Hüters, eines Verwalters, nicht die eines Ausbeuters. Der Mensch hat Verantwortung, nicht Macht.“