Schöne neue Welt?

Der Krieg gegen das Bargeld nimmt immer bizarrere Formen an. EU-Kommissar Oettinger behauptet nun, dass „das Bargeld ausstirbt“ – obwohl 85 Prozent aller Zahlungen weltweit in Cash abgewickelt werden. Und die geplante Abschaffung des 500-Euro-Scheins durch die Europäische Zentralbank (EZB) kostet mindestens eine halbe Milliarde Euro.

Die Abschaffung des Bargeldes wird auf allen Ebenen vorangetrieben. Zuletzt fiel EU-Kommissar Günther Oettinger durch kuriose Behauptungen auf. Er erklärte auf der Veranstaltung eines weltweiten Beratungsunternehmens hochoffiziell: „Das Bargeld stirbt aus“ (Wovon spricht der Mann? 85 Prozent aller Zahlungen weltweit werden in Cash abgewickelt. In Österreich sind es sogar 89%. Seit der Euro-Einführung hat sich die Bargeldmenge sogar vervierfacht. Selbst die 12 Millionen Reichsten der Welt halten 28% ihres Vermögens in bar. Die größte Rückversicherungs-Gesellschaft der Welt und viele Pensionsfonds haben sich eben erst massiv mit Bargeld eingedeckt).

Dann setzte Oettinger über die Zukunft des Bezahlens fort: „Wir werden mit der Apple-Watch bezahlen, mit dem Smartphone bezahlen“ (Eine „Apple-Watch“ kostet zwischen 350 – 18.000 Euro. Der europäische Kommissar für Digitalwirtschaft erklärt uns also, dass wir das US-amerikanische Produkt „Apple-Watch“ kaufen werden, damit wir künftig in der EU noch bezahlen können).

Mit Aussagen wie diesen will man uns für dumm verkaufen. Das Bargeld „stirbt nicht aus“ – man schafft es nur ab. EZB-Chef Draghi bereitet gerade das Ende des 500-Euro-Scheins vor. Und das wird – wie jetzt bekannt wurde – richtig teuer: Die Abschaffung des größten Euro-Scheins  kostet mindestens eine halbe Milliarde Euro (eher sogar ein Vielfaches davon). Diese Kosten hätten die nationalen Notenbanken zu tragen, also auch die Österreichische Nationalbank und damit wir Steuerzahler.

Die schrittweise Abschaffung des Bargeldes ist brandgefährlich: In der künstlich bargeldlosen Welt will man uns zum Konsum zwingen. Wer nicht konsumiert, dem wird von seinem Sparguthaben jedes Jahr etwas abgezogen („Straf-Zinsen“). Staaten, Finanzinstitutionen und Zentralbanken hätten ungehindert Zugriff auf unsere Konten. Sie könnten jederzeit Zwangsabgaben zur Finanzierung von Schuldenstaaten oder Pleite-Banken einheben. Die Flucht ins Bargeld wäre unmöglich und der Bürger wehrlos gegen all die Maßnahmen, die Finanzeliten rund um IWF, EZB und EU schon heute fordern (10%ige Zwangsabgabe für Sparer, Straf-Zinsen und Konsumzwang). Mit all unseren Kontobewegungen wäre unsere Persönlichkeitsstruktur offengelegt und unser gesamtes Leben weltweit jederzeit überwachbar. Der psychotische Albtraum vom vollständig durchleuchteten, überwachten „gläsernen“ Menschen würde Realität.

Staatssekretär Harald Mahrer fordert die Einführung einer „1.000-Euro-Note“. Nicht als Zahlungsmittel für den alltäglichen Gebrauch, sondern damit die Bürger vor Straf-Zinsen ins Bargeld flüchten und ihr – oft lebenslang – Erspartes zu Hause oder im Schließfach besser horten können. In der Schweiz ist aus diesem Grund die Zahl der in Umlauf befindlichen 1.000-Franken-Scheine sprunghaft gestiegen: 2015 um 17%.

Nächsten Sonntag findet die Bundespräsidentenwahl statt. Messen Sie die Kandidaten daran, was sie gegen die Abschaffung des Bargeldes tun wollen. Es geht um nichts weniger als unsere Freiheit.

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