Das Pisa-Desaster

Nach dem erneuten Pisa-Desaster fordert unser Bundeskanzler: „Wir müssen die Schule entideologisieren“. Dazu müsste er zuallererst jenen Bildungspolitikern den Laufpass geben, die seit Jahren aus ideologischen Gründen „alle Kinder gleich schlecht statt unterschiedlich gut machen“.

Laut Pisa 2015 kann jeder dritte Schüler in Österreich nach 9 Jahren Unterreicht nicht lesen, rechnen oder hat keine Ahnung von Naturwissenschaften. Die österreichweite „Standardüberprüfung in Deutsch“ offenbarte sogar ein noch größeres Desaster: 40% der 10-jährigen können nicht sinnerfassend lesen. Sie verstehen altersgemäße Sätze nicht. Viertklässler lesen einen einfachen Text und wissen nicht, was sie gerade gelesen haben. Und das, obwohl „die außerordentlichen Schüler“ – also jene, mit mangelnden Deutschkenntnissen –  am Test gar nicht teilgenommen haben.

Alle diese „ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen“ (wie sie die Statistik später verharmlosend nennen wird) marschieren heute direkt von einem der teuersten Schulsysteme –  das sie nicht klüger, sondern dümmer gemacht hat – zum Arbeitsmarktservice (AMS). Dort gibt man für die 15 – 24jährigen mittlerweile rund 600 Millionen Euro pro Jahr aus; etwa für Schulungen, Förderungen und Beihilfen. Trotz dieses gewaltigen finanziellen Aufwandes finden nur sehr wenige „ausgrenzungsgefährdete Jugendliche“ jemals in eine Dauerbeschäftigung.

Der Verfall macht übrigens auch vor unserem Lehrernachwuchs nicht halt. Bis zu 50% der Lehrer-Anwärter fehlen fundamentale Kenntnisse der deutschen Sprache. Viele werden nur an der Hochschule aufgenommen, wenn sie zuvor versprechen, noch rasch einen Rechtschreibkurs zu absolvieren.

Das sind die Folgen falscher – ideologischer – Politik: Die bunte Gemeinde der „Kuschel-, Erlebnis- und Wohlfühl-Pädagogen“ will, dass „alle Kinder gleich schlecht statt unterschiedlich gut“ sind. Über die Schule will man die Unterschiedlichkeit der Menschen abschaffen. Wegen dieser Gleichmacherei kommt es zur ständigen Nivellierung nach unten.

Als großes Vorbild diente Finnland. Das Land hatte um das Jahr 2000 hervorragende Pisa-Werte. Bildungspolitiker schwärmten davon, dass die Schüler in Finnland anti-autoritär erzogen würden, vortrefflich ihren eigenen Namen tanzen könnten und weder Hausaufgaben noch Schularbeiten zu machen brauchten. Ganze Delegationen pilgerten jährlich zu den Finnen.

Doch die hoch renommierte „London School of Economics“ räumte mit diesem Irrtum auf. In der Studie „Die wahre Geschichte einer Bildungssupermacht“ kam sie zu einem anderen Urteil über Finnlands Schulen. Die großen Pisa-Erfolge des Jahres 2000 gingen nicht auf das neue, sondern auf das alte finnische Schulsystem zurück. Das beruhte auf seinen strengen Lehrern und – dem heute so verpönten – Frontalunterricht (der in seiner modernen Form als fragend entwickelter Unterricht äußerst wirkungsvoll sein soll, wie das Münchener Ifo-Institut erforscht hat).

Bundeskanzler Kern sprach von der Entideologisierung. Die Reaktion von Bildungsministerin Hammerschmid auf das Pisa-Desaster hört sich aber gar nicht danach an: Sie will die gleichmacherische Gesamtschule, mehr genderspezifische Angebote (Stichwort: „Elterinnen und Eltern“) und im Unterricht Raum für neue Experimente.

Das ist keine Entideologisierung, sondern eine „Endideologisierung“. Das nächste Pisa-Desaster kommt bestimmt!

Artikel Krone Bunt vom 18.12.2016

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3 Gedanken zu „Das Pisa-Desaster“

  1. Wenn tatsächlich 40% der 10-jährigen nicht sinnerfassend lesen können, schließe ich daraus, dass sich unter Einschluss der „außerordentlichen Schüler“ eine satte Mehrheit an „Bildungsunterentwickelten“ errechnet, die spätesten ab dem 16. Geburtstag – unmerklich gebildeter – unsere politische „Elite“ erheblich mitbestimmen werden. In der Folge werden sie sich womöglich – mangels eines großen Arbeitsmarktes für Schwachköpfe – auf den Bezug von Sozialleistungen und auf Familienplanung konzentrieren. Mit Kindererziehungszeiten, 84 Beitragsmonaten der Pflichtversicherung aufgrund einer offiziellen Erwerbstätigkeit (über dzt. EUR 415,72,–) und Zeiten der Arbeitslosigkeit/Notstandshilfe ist nach dem APG schon über einem Zeitraum von 15 Jahren relativ leicht ein Pensionsanspruch zu erwerben. Dazu gelegentlich inoffizielle Erwerbstätigkeiten (so würde ich es in einer solchen Situation machen), und der derzeit kaum vorhandene Mittelstand ist wieder neu etabliert! Gleichzeitig regieren uns dann drittklassige Politiker/innen, die nicht sinnerfassend lesen können, und wir entsenden viertklassige Analphabeten/innen nach Brüssel. Die Minderheit der offiziellen Arbeitskräfte samt Nebenerwerbspensionisten/innen verdienen bis Mitte Oktober jedes Steuerjahres gerade einmal die gesetzlichen Abgaben, um danach voll in die eigene Geldtasche zu arbeiten ……..

    Utopie? Leider nein, wenn kein Wunder passiert!

  2. End- und Ent- sind zwei verschiedene Silben mit fast konträrer Bedeutung. Mein Nachbar ist auch in Pension, so wie Herr Wirth und er ist glücklich darüber, denn die Lehrer haben es heutzutage wirklich nicht leicht. Endlich wagt er es, seine Gedanken öffentlich bekanntzugeben, denn als Lehrer durfte er das nicht. Da sorgte schon der Direktor dafür, dass der Notenpegel – auch für Türken und sonstige Ausländerkinder – nicht zu tief sank. Die kamen alle durch (um ihnen ihre Zukunft nicht zu verbauen). Unseren Lehrern waren die Hände gebunden. Von den Lehrerinnen will ich da gar nicht sprechen. Sie sind in diesen genannten Kreisen ohnehin verpönt und verachtet. Ja, weit haben wir es gebracht. Erdogan läßt grüßen!

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