Ein Abgesang

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel ließ aufhorchen: Auf einem Parteitag empfahl sie allen Bürgern, die „Sorge vor dem Islam“ haben, Weihnachtslieder zu singen und dazu Blockflöte zu spielen.

Auf dem Sonderparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern trat Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel auf. „Ich weiß, dass es Sorgen vor dem Islam gibt“, sagte sie. Es liege aber an den Bürgern, diesen Sorgen auch durch die Pflege christlicher Traditionen zu begegnen. „Wieviel christliche Weihnachtslieder kennen wir denn noch und wieviel bringen wir denn unseren Kindern und Enkeln noch bei?“, fragte Merkel die erstaunten Delegierten. „Dann muss man eben mal ein paar Liederzettel kopieren und einen, der noch Blockflöte spielen kann (…) mal bitten“, empfahl die Kanzlerin. Als Gelächter ausbrach, bekräftigte Merkel „Ich meine das ganz ehrlich.“

Wie bitte? Europa erlebt einen ungeahnten Massenansturm von Flüchtlingen aus dem islamischen Kulturkreis sowie massive Radikalisierungstendenzen im Internet oder in manchen Moscheen und Frau Merkel rät besorgten Bürgern, zur Beruhigung Weihnachtslieder zu singen und dazu Blockflöte zu spielen?

Oder anders gefragt: Sie sind etwa in Sorge, weil laut den erschreckenden Ergebnissen der neuesten Jugendstudie der Stadt Wien jeder 3. Muslim die Religion über das Gesetz stellt, bei 47% der Jung-Muslimen Homophobie und Judenhass eine sehr große Rolle spielen und 25% der jugendlichen Befragten Sympathien für den heiligen Krieg gegen Ungläubige haben? Sie sorgen sich, weil bis zu 90% aller abgelehnten, meist völlig unkontrolliert eingereisten Asylwerber aus Österreich nicht abgeschoben werden können – wie SPÖ-Minister Hans Peter Doskozil erklärte? Und die politische Antwort hierauf lautet: „Ach, singen Sie doch ein paar Weihnachtslieder oder spielen Sie Blockflöte!“

Nun könnte man der Ansicht sein, Frau Merkel ist deutsche Kanzlerin und ihre politischen Ideen gingen uns nichts an. Doch so einfach ist das nicht: Frau Merkel ist nicht irgendwer in der EU. Sie wurde vom „Forbes-Magazin“ auch 2016 zur mächtigsten Frau der Welt gewählt. Dies, weil sie das „Rückgrat der 28 EU-Länder“ sei und wegen „ihrer Haltung in der aktuellen Flüchtlingskrise“. Die Kanzlerin bezeichnete Länder wie Österreich als „nicht ihr Europa“, weil unsere Regierung Kontrollen an den Ostgrenzen forderte und Außenminister Sebastian Kurz die Merkel´sche Politik des „O kommet doch all“ (um beim Weihnachtslied zu bleiben) kritisierte.

Österreich kann die Politik der Frau Merkel weder wählen noch abwählen. Aber es ist ein sprichwörtlicher „Abgesang“, wenn diejenige, die gestern noch EU-weit die Parole „Wir schaffen das“ ausgegeben hat, heute Besorgten das Absingen von Weihnachtsliedern samt dazugehörigem Blockflötenspiel rät.

Die Politik Polens, Tschechiens, der Slowakei und Ungarns in der Flüchtlingskrise ist weit aufgeklärter und vorausschauender als die traumtänzerische Haltung Berlins. Die Schließung der Westbalkanroute war der richtige Schritt. Österreich sollte sich an einer humanen, aber machbaren Politik orientieren. Sonst könnten wir am Ende tatsächlich noch flöten gehen.

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