„Kritische Schüler_Innen“ Teil 2

Die „Offen gesagt“- Kolumne über Schüler, die im Zusammenhang mit der Matura „gegen Leistungsdruck“ demonstrierten, hat Reaktionen zahlreicher Lehrer hervorgerufen. Die Leserbriefe der Pädagogen zeigen: Das Bildungsdesaster ist erschütternd.

Die „Offen gesagt“-Kolumneüber „Kritische Schüler_Innen“ hat große Reaktionen innerhalb der Lehrerschaft ausgelöst. Zur Erinnerung: Hunderte Schüler riefen zum österreichweiten Schulstreik auf. Ihr Motto lautete: „Weg vom Leistungsdruck“.

Es wurde aufgezeigt, dass rund 30% unserer 15-Jährigen nicht wirklich lesen, schreiben oder rechnen können. Die Anforderungen bei der Mathe-Matura mussten wiederholt abgesenkt werden. Sonst wären wieder ganze Schulklassen geschlossen durchfallen. Studenten haben Probleme beim Lesen und Schreiben längerer Texte. Mit einem Wort: Österreichs Schulsystem – das vor Jahrzehnten viele Nobelpreisträger hervorgebracht hatte – ist erfolgreich ruiniert worden.

Eine Lehrerin, die seit 40 Jahren an einer AHS unterrichtet, schreibt: „Dem guten Pädagogen war es jahrelang verboten, Schüler aus dem Lehrbuch vorlesen zu lassen und sie vielleicht gar zu fragen, ob sie das Vorgelesene auch verstanden haben…Die Folgen dieser fehlgeleiteten Bildungspolitik sind heute traurige Realität: unsere Schulabgänger können teilweise nicht mehr sinnerfassend lesen. Spätestens seit Beginn der Neuen Reifeprüfung brauchen sie diese Fertigkeiten auch kaum mehr…Es gibt ohnedies nur noch wenige tollkühne Lehrer, die es wagen, von ihren Schülern Sachwissen einzufordern. Falls Schüler in der von ihnen gewählten Schule heillos überfordert sind, werden sich ihre Eltern über den zu strengen Lehrer und den zu schwierigen Stoff beschweren und vermutlich Recht bekommen. Irgendwann resigniert dann jeder Lehrer, liest den Schülern ihre Maturafragen vor, beantwortet sie auch gleich und entlässt die so gereiften mit einem positiven Zeugnis zum Summersplash.  Ich habe mir erlaubt, mir meinen Frust von der Seele zu schreiben — wie Sie sehen, ohne zu gendern.“

Ein Lehrer schreibt: „Wir legen unseren Jugendlichen die Latte immer weiter nach unten und freuen uns sehr, dass immer mehr die Hürde schaffen, obwohl sie nichts können.“

Eine Leserreaktion lautet: „Ich bin Lehrerin, 57 und fast hoffnungslos…Was aus unserer Jugend wird – ich trau mich einfach nichts mehr zu sagen… Das, was Sie schreiben, versuchen wir Lehrerinnen seit 20 Jahren an die Öffentlichkeit zu bringen“.

Eine klinische Psychologin für Diagnostik schreibt: „Ich bin beruflich zunehmend damit konfrontiert, dass das Bildungsniveau sinkt…Jetzt verstehen schon die Menschen mit Muttersprache Deutsch nach einer Matura oder einem Bachelorstudium einige Fragen nicht mehr“.

Ein Leser schreibt: „Ein Oberstufenlehrer hat mir kürzlich mitgeteilt, dass ihn eine ´Mutti`, deren Kind im Maturajahr vor einer Entscheidungsprüfung stand, angerufen hat, ob sie bei der Prüfung dabei sein kann, weil ihr Kind sei so nervös…Ich möchte Ihnen gar nicht mitteilen, wie die Sache ausgegangen ist, auf jeden Fall zum Schämen.“  

Österreichs Bildungsdesasterist gemeingefährlich! Bereits US-Präsident Ronald Reagan erkannte die nationale Bedrohung durch Bildungsverfall. Er ließ die größte Schulreform der Geschichte USA ausarbeiten. Sie trug nicht umsonst den Titel: „Eine Nation in Gefahr“.