Totale Überwachung

Chinas Regierung zwingt die Bürger zum „Gesichts-Scan“. Ab 2020 soll das Verhalten jedes einzelnen Chinesen überwacht und bewertet werden: Wer „brav“ ist, bekommt Pluspunkte. Wer sich im Sinne der Regierung nicht korrekt verhält, erhält Minuspunkte und wird diskriminiert. Auch in der EU formiert sich ein noch nie da gewesener Überwachungsstaat.

Seit 1. Dezember muss sich jeder Chinese, der einen Mobilfunkvertrag will, einer digitalen Gesichtserkennung unterziehen („Gesichts-Scan“). Mehr als 850 Millionen Chinesen nutzen mobile Geräte, um Internetdienste zu nutzen. Mit dem neuen Gesetz erhält die kommunistische Regierung die biometrischen Gesichtsdaten von bis zu 65 % der Bevölkerung. Offiziell dient die Maßnahme „dem Schutz der legitimen Rechte und Interessen der Bürger im Cyberspace“.

Tatsächlich geht es wohl um totale Überwachung. Denn 2020 wird das „Sozialkreditsystem“ flächendeckend eingeführt: Das Verhalten jedes einzelnen Bürgers wird dann online und offline (durch Überwachungskameras) erfasst. Zur Veranschaulichung: Auf 1.000 Einwohner kommen bereits 100 intelligente Überwachungskameras. Der Zugang zu Hotels, Bürogebäuden, U-Bahnen und Flughäfen funktioniert per Gesichtserkennung.

Wer sich „brav“ verhält, also nicht bei Rot über die Kreuzung geht, bekommt von Chinas Regierung Pluspunkte. Wer sich aber politisch nicht korrekt verhält, indem er etwa die Staatsführung im Internet kritisiert, erhält Minuspunkte und das kann je nach Schweregrad gravierende Folgen haben: Der Betroffene erhält keinen Bankkredit, keine Anstellung im öffentlichen Dienst, seine Kinder dürfen nicht auf bestimmte Schulen oder er ist von der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel (Züge, Flugzeuge) ausgeschlossen. Besonders perfide ist folgendes: Wer mit Menschen befreundet ist, die Minuspunkte auf ihrem Sozialkonto haben, muss selbst mit Minuspunkten oder Nachteilen rechnen. So kann man Andersdenkende aus der sozialen Gemeinschaft ausstoßen.

Mittlerweile werden sogar Gedankenlesegeräte an Fabrikarbeitern getestet: George Orwells psychotischer Albtraum vom vollständig durchleuchteten, überwachten „gläsernen“ Menschen wird zur Realität.

Begonnen hat alles damit, dass man den Bürgern eingeredet hat, die Bezahlung per Gesichtserkennung würde ihr Leben vereinfachen. 118 Millionen Chinesen nützen bereits den Gesichts-Scan für ihre Einkäufe. Wohin in der EU die Reise geht, wurde vor Kurzem klarer: Das staatliche deutsche Fernsehen „ZDF“ erklärte zur Hauptsendezeit in einem Beitrag, der mit der Abschaffung des Bargeldes anmoderiert wurde, welche Vorteile es doch hätte, wenn sich alle Bürger einen Computer-Chip unter die Haut einpflanzen ließen. In Schweden gebe es schon ein Projekt. Sobald man in die Nähe eines Lesegeräts oder Empfängers kommt, ist die Person identifiziert. George Orwell lässt grüßen.

In der EU wird auch der „Kampf gegen den Terror“ bemüht, um unsere Freiheitsrechte immer weiter einzuschränken. Den Bürgern erklärt man, die Überwachung diene ihrer Sicherheit. Doch wie sagte Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA und Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“.

Artikel Krone Bunt

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