Der Schneemann – ein Yeti?

Die britische BBC – der öffentlich-rechtliche Fernsehsender des Königreichs – sorgte mit politischer Korrektheit für Zorn bei den Zusehern. Die Moderatorin einer Kindersendung sprach vom „Schneemenschen“ statt „Schneemann“. Das ist kein Einzelfall. Die Anti-Sexisten haben vor Weihnachten wieder Hochkonjunktur.

Die politische Korrektheit der britischen BBC ist legendär. Der Sender gab schon vor 20 Jahren einen politisch-korrekten Denkleitfaden für Journalisten heraus. Die Moderatorin der beliebten Kindersendung „Amazing Machines“ hat es nun übertrieben. Sie schwärmte den britischen Kindern vor: „Schnee ist wunderbar. Man kann daraus Schneemenschen bauen und Schlitten fahren.“

Bisher verstand man unter „Schneemensch“ – dem „Yeti“ – eigentlich ein zweibeiniges, behaartes Fabelwesen des Himalaya. Es ist eine Art geschlechtsloses Affentier, das Reinhold Messner gesehen haben will. Und das sollen britische Kinder nun aus Schnee bauen und dann mit dem Schlitten fahren? Der Zuseher-„Shitstorm“, der auf diese BBC-Sendung folgte, war dann alles andere als politisch-korrekt.

Diskussionen über geschlechtsneutrale, anti-sexistische Sprache gibt es auch bei uns. Die traditionellen Geschlechterrollen – „Mann und Frau“ – sollen überwunden werden. Facebook bietet den Nutzern bereits 60 verschiedene Geschlechter zur Auswahl an, darunter etwa: „geschlechtslos“, „weder-noch“, „intergender“, „genderqueer“, „Viertes Geschlecht“ „Femme“, „Mann zu Frau“, „2 Spirit drittes Geschlecht“, „XY-Frau“, „Drag“ oder „Butch“. Mittlerweile gilt sogar die Verwendung des Binnen-I als rückwärtsgewandt und sexistisch. Denn Worte wie „ProfessorIn“ oder „StudentIn“ richten sich nur an Mann und Frau, diskriminieren somit aber die 58 weiteren Geschlechter.

Um diese sexistische Diskriminierung sofort zu beenden, soll das Binnen-I durch ein geschlechtsneutrales „x“ ersetzt werden. Statt „ProfessorIn“ oder „StudentIn“ soll man „Professx“ und „Studierx“ sagen. Das Fragepronomen lautet nicht mehr „Welcher oder Welche?“, sondern schlicht „Wex?“. Und wer politisch ganz korrekt sein will, verwendet statt dem Wort „man“ das Wort „max“ und statt „jemand“ oder „niemand“ die Wörter „jemax“ oder „niemax“ (wobei schon erwähnt sein soll, dass das Wort „man“ mit „Mann“ nichts zu tun hat. „Dämlich“ kommt auch nicht von „Dame“ und „herrlich“ nicht von „Herr“). Man hat das Gefühl, manche Anti-Sexisten würden lieber in einer Welt voller Teletubbies leben.

Rechtzeitig vor Weihnachten kommt auch wieder die Diskussion über den Nikolaus in Gang. In Frankreichs Schulen dürfen Schokoladen-Nikolos nicht mehr gegessen werden. Denn die gelten als religiöse Symbole in Schokoform und laut Gesetz sind religiöse Symbole in öffentlichen Bildungsstätten nicht erlaubt.

Man sieht: Die Welt der Anti-Sexisten ist sehr kompliziert. Dabei wären die Lösungen doch so einfach: Wer statt eines „Schneemannes“ eine „Schneefrau“ bauen will, braucht nur den Schnee anders zu verteilen.

Artikel Krone Bunt

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