„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“

„Die 62 Reichsten der Erde haben mehr Vermögen als die halbe Weltbevölkerung“. Diese Meldung beherrschte tagelang alle Medien. Die meisten Journalisten übernahmen die Schlagzeile glatt. Empörte Sozialpolitiker riefen sofort nach neuen Steuern. Tatsächlich aber wurden sie alle Opfer einer statistischen Lüge, wobei ihre Leichtgläubigkeit an Schildbürger gemahnt.

Microsoft-Gründer Bill Gates ist etwa 80 Milliarden Dollar schwer. Säße er mit mir alleine in einem Raum, dann hätten wir beide ein statistisches Durchschnittvermögen von 40 Milliarden Dollar. So schnell wird man Milliardär, oder verliert sein halbes Vermögen – je nachdem. Statistisch gesehen ist auch der sicherste Platz während eines Gewitters die metallene Kirchturmspitze – denn dort hat es seit Menschengedenken die wenigsten Blitzschlagopfer gegeben. Und laut Statistik ist jeder fünfte Mensch ein Chinese, auch wenn ich seit Wochen kaum einen gesehen habe. Damit ist zur Unbrauchbarkeit statistischer Erhebungen bereits alles gesagt.

Verblüffend ist nur, wie leichtgläubig Sozialpolitiker immer wieder auf mit Statistiken unterlegte Schlagzeilen hineinfallen. Vor ein paar Wochen – genauer, öffentlichkeitswirksam vor dem Weltwirtschaftsform in Davos – geisterte folgende Meldung tagelang durch alle Medien: „Die 62 Reichsten der Erde haben mehr Vermögen als die halbe Weltbevölkerung“.

Was als Beweis für himmelschreiende Ungerechtigkeit herhalten und europaweit eine neue Umverteilungsdebatte auslösen sollte, erwies sich bei näherem Hinsehen als sehr windig: Die Ersteller der Statistik gingen vom „Nettovermögen“ eines Menschen aus; also von seinem gesamten Vermögen minus den Schulden. Danach hat ein dreijähriges Kind, das in seinem Sparschwein zwei Euro – aber keine Schulden hat – ein größeres Vermögen als 30 % der Weltbevölkerung. Denn rund ein Drittel der Menschen hat mehr Schulden als Vermögen. Das trifft in den reichen Industrieländern auf so ziemlich jeden zu, der sein Leben mit Krediten finanziert (Häuslbauer, Autoleasing etc). Die Ärmsten der Welt sind also laut Statistik nicht in Indien oder Bangladesch zu Hause, sondern bei uns in Mitteleuropa – dort, wo es ein funktionierendes Kreditwesen gibt.
Oder Michael Jackson, der erfolgreichste Entertainer der Geschichte, der durch seine aufsehenerregenden Gerichtsprozesse und ausschweifende Lebensführung zeitweilig pleite war, müsste laut dieser Studie einer der ärmsten Menschen der Welt gewesen sein. Und ein US-amerikanischer Student, der sein Studium an einer Elite-Universität mit einem Studenten-Kredit finanziert und den bereits sein erster Job ein jährliches Million-Dollar-Einkommen bescheren wird, ist ärmer als ein thailändischer Reisbauer.

Was am Ende neben der Blamage für leichtgläubige Sozialpolitiker bleibt, ist eine Erkenntnis, die Winston Churchill zugeschrieben wird: „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Superreichtum sehr viel stärker besteuert werden muss!

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