Leistungsabfall durch Corona

Schulschließungen und wochenlanger Notbetrieb haben unsere Kinder „dümmer gemacht“. Das beweisen mehrere internationale Studien. Der Lernrückstand etwa in Mathematik ist kaum aufholbar.

Am 3. Juli ist Zeugnisverteilung. Die diesjährigen Schulnoten sagen jedoch wenig über den wahren Lernerfolg aus. Denn die negativen Auswirkungen des Corona-bedingten Unterrichtsausfalls auf alle Schüler sind gravierender, als man bislang vermutet hat. Das zeigen mehrere großangelegte internationale Studien.

In Mathematik verfügen Schüler nur über 37% bis maximal 50 % jener Kenntnisse, die sie ohne Schulschließung erworben hätten. Leistungsabfall und Lernrückstände sind so groß, dass sie kaum aufzuholen sind. Es kam nicht nur zur Lähmung, sondern beim Rechnen sogar zu einem Rückschritt. Schulen müssen sich nun auf das weit abgefallene Durchschnittsniveau der Klasse einstellen. Hinzu kommt, dass Schüler generell über die langen Sommerferien das Gelernte zum Teil vergessen. Kalkuliert man das mit ein, dann hat der Fernunterricht faktisch nichts gebracht. Das geht aus einer Studie des renommierten Bildungsforschungsinstituts NWEA hervor, dessen Einschätzungen von 9.500 Schulen in 145 Ländern verwertet werden.

Selbst bei gutem Fernunterricht weisen Schüler Wissenslücken von 3-4 Monaten auf – bei schlechtem Fernunterricht vergrößern sich die Lücken auf 7-14 Monate. Der Lernverlust stellt ein großes wirtschaftliches Problem dar. Denn Mathematik spielt im künftigen Berufsleben eine immer größere Rolle: „Bis 2023 müssen rund 700.000 Personen vertiefte technologische Fähigkeiten erwerben, um den Bedarf der Wirtschaft an Tech-Spezialisten zu decken“, schreibt McKinsey & Company Deutschland.

Umgelegt auf Österreich bedeutet das, dass unser Land in den nächsten zweieineinhalb Jahren rund 75.000 IT-Spezialisten fertig ausgebildet haben müsste!

Davon sind wir weit entfernt, was die regelmäßig katastrophalen Ergebnisse der PISA-Studie zeigen: Ein großer Teil unserer 15-jährigen kann nach neun Jahren Schule nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen. Bei der Zentralmatura mussten die Anforderungen in Mathematik schon einmal abgesenkt werden, damit nicht wieder ganze Schulklassen geschlossen durchfallen.

Prof. Peter-Andre Alt, Präsident der deutschen Hochschulrektoren, fasste das Desaster so zusammen: In Mathematik fehlen Studienanfängern viel zu oft die Grundkenntnisse. Studenten haben Probleme beim Lesen und Schreiben längerer Texte. Viele können sich nicht konzentrieren. Die Studierfähigkeit zahlreicher Maturanten ist nicht gegeben!

Diese Bewertung bezog sich auf den Bildungsstand „vor Corona“. Nach wochenlangem Notbetrieb ist das Bildungs-Desaster noch größer geworden.

Österreich hat kaum Rohstoffe. Wir sind auf Können, Erfindergeist und Tüchtigkeit angewiesen. Wir müssen rasch wieder einen regulären Schulbetrieb aufnehmen. Und wir müssen ein anspruchsvolles, leistungsorientiertes und nach Schultypen gegliedertes Bildungssystem schaffen. Derzeit verfügt Österreich lediglich über eines der teuersten Schulsysteme der Welt – das schlechte Ergebnisse liefert.

Wie schrieb Jan Fleischhauer: „Niemand stellt sich die Frage, was eigentlich besser werden soll, wenn man mehr Geld in ein System pumpt, das nicht einmal dafür sorgen kann, dass alle Schüler nach einem Schuljahr klüger und nicht dümmer geworden sind.“

 

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