„Wenn wir es wegwerfen, ist es nicht weg“

Forscher fanden erstmals im Schnee der Antarktis Mikroplastik. Die 13 verschiedenen Partikelarten sind vermutlich Tausende Kilometer durch die Luft gereist. Wir zerstören uns selbst.

Ein Forschungsteam hat im frischen Schnee der Antarktis erstmals Mikroplastik entdeckt. Es handelt sich um 13 verschiedene Partikelarten. Damit ist es amtlich: Mikroplastik liegt nicht nur in 11.000 Metern Seetiefe und auf dem 8.800 Meter hohen Mount Everest. Plastikmüll ist auch in den entlegensten Regionen der Welt nachzuweisen.

Wir zerstören uns selbst: Die meisten Menschen haben bereits Schadstoffe von Plastikprodukten im Blut! Denn in den Meeren befinden sich Rekordmengen an Mikro- und Makroplastik. In jedem Quadratkilometer Wasser schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll. Sie enthalten Giftstoffe wie Weichmacher oder Flammschutzmittel, die von Sonne und Salzwasser freigesetzt werden. Auf den Weltmeeren treiben stinkende Plastikinseln. Sie sind Gift-Magneten. Die größte Müllinsel ist 16-mal größer als Österreich! Sie besteht aus, PET-Flaschen, Feuerzeugen, Zahnbürsten, Einkaufstaschen, Zigarettenkippen, Einmalrasierern, Schnüren, Gartenschläuchen, Handyteile und vieles mehr. Fast alle Fische nehmen giftige Plastikpartikel auf. Über die Nahrungskette landet das auf unserem Teller.

Vor einigen Jahren machte ein Foto weltweit Schlagzeilen: Ein totes Pottwal-Weibchen mit 22 kg Plastik im Bauch wurde an Sardiniens Küste angeschwemmt. Das trächtige Tier hatte sein zwei Meter langes, totes Junges im Bauch, das im Inneren seiner Mutter verwest war. Später fanden Forscher in 6.500 Metern Seetiefe einen bisher unbekannten Flohkrebs. Er hatte ebenfalls Plastik im Bauch. Die Forscher nannten ihn zynisch „Eurythenes plasticus“. Die Tatsache, dass unsere Meere flächendeckend derart verseucht sind, dass selbst in 6500 Metern Seetiefe Flohkrebse Plastik im Bauch haben, hätte weltweit größtes Entsetzen auslösen müssen. Dies war aber nicht der Fall. Denn Menschen empfinden in erster Linie Mitgefühl für „hochentwickelte Warmblüter“ wie Wale, Hunde oder Katzen. Unsere Empathie für fünf Zentimeter lange Flohkrebse oder frischen Schnee in der Antarktis hält sich in Grenzen. Das ist eben das Fatale an der menschlichen Natur.

„Wenn wir es wegwerfen, ist es nicht weg – sondern zum Beispiel im Hals oder im Magen anderer Arten“, sagte Craig Leeson, Regisseur von „A Plastic Ocean“. 1950 gab es zwei Millionen Tonnen Plastik. 2017 waren es bereits 8,3 Milliarden Tonnen. 2050 werden es 34 Milliarden Tonnen sein: Schon heute kommen auf jeden Menschen mehr als 1.000 kg Plastik. Nur etwa 20 Prozent sind in Verwendung. Der Rest belastet unsere Welt als Müll. Recycling ist ein Märchen. Bisher wurden nur 7,5% des weltweit hergestellten Plastiks wiederverwertet. Mit anderen Worten: Jede Zahnbürste, die wir in unserem Leben verwendet haben, ist heute noch vorhanden.

Wir brauchen Kostenwahrheit. Was das bedeutet, brachte Dr. Melanie Bergmann, Meeresbiologin am Alfred – Wegener Institut, auf den Punkt: „Letztlich ist Plastik momentan zu billig. Würden die Kosten, die durch Umweltschäden und die Müllbeseitigung entstehen berücksichtigt, wäre Plastik viel teurer.“