„Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen müssen.“

Die Nationalratswahl hat keinen Rechtsruck gebracht. Es waren bloß jene erfolgreich, die mit der Zeit gehen.

Wer in der ehemaligen Sowjetunion für die Privatisierung des Gurkenhandels eintrat, war ein Faschist. Wer in den USA gegen die Todesstrafe demonstriert, gilt als Linker. Wer zu Beginn der Flüchtlingskrise nicht am Bahnhof „Welcome“ schrie und klatschte, war ein rechter Hetzer. Und wer es heute noch tut, stellt sich gegen die Politik der SPÖ, deren Verteidigungsminister Panzer an die Brennergrenze schicken wollte.

Das „Links-Rechts-Schema“ ist überholt. Es gibt nur Vernünftiges und Unvernünftiges. Deshalb können auch immer weniger Menschen mit starrer Partei-Ideologie etwas anfangen. Warum etwa muss ein Sozialdemokrat automatisch für Genderwahn und Völkerwanderung sein? Wieso ist man im rechten Eck, wenn man wieder „Recht und Ordnung“ auf den Straßen haben will?

Die Denkmuster der Vergangenheit passen nicht mehr in unsere Zeit. Das sieht man am Beispiel des Freihandelsabkommens TTIP. Hätte Österreich nach dem Krieg den freien Handel abgelehnt, dann wäre das glatter wirtschaftlicher Selbstmord gewesen. Aber der Freihandel im Jahre 2017 ist nicht mit dem Freihandel der 1950er Jahre zu vergleichen. TTIP ist nur zu einem geringen Teil ein Handelsvertrag. Es ist in erster Linie ein geostrategisches Instrument der USA, damit US-Konzerne den 500-Millionen-Verbrauchermarkt EU besetzen, bevor die Chinesen oder Russen da sind. Es ist moderne Geostrategie nach dem Motto: „Wer zuerst kommt, kriegt die Beute“. Viele Politiker erkennen das nicht, weil sie noch in verfehlten Kategorien des letzten Jahrhunderts denken.

Oder das Asylchaos: Seit 2015 haben wir es mit einer Völkerwanderung zu tun. Mehrere Hundert Millionen Menschen wollen ins nördliche Europa. Das politische und journalistische Establishment tut jedoch so, als würde es sich um die Gastarbeiterdiskussion der 1970er Jahre handeln.

Die Nationalratswahl 2017 hat keinen Rechtsruck gebracht. Es haben nur jene verloren, die Helmut Qualtingers Warnung nicht verstanden haben: „Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen müssen.“

Artikel Krone Bunt

 

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