„Der Sand wird knapp“

Vor wenigen Tagen erschien das „Times-Uni-Ranking 2021“. Es ist die wichtigste Rangliste für Hochschulen weltweit. Österreichs Universitäten sind wieder weit abgeschlagen: Wir verlieren den Kampf um die Zukunft!

Das Ergebnis ist verheerend und die Größe unseres Landes keine Ausrede: Die Technische Hochschule Zürich belegt Platz 14. Die Schweizer schaffen es vier Mal, die Niederlande gleich sieben Mal unter die ersten 100. Das kleine Schweden liegt auf Platz 36.

Die Lage ist gefährlicher, als unseren Politikern bewusst ist: Österreichs Reichtum besteht nur zu einem Prozent aus Rohstoffen. Wir sind auf Erfindergeist, Tüchtigkeit und Können der Bürger angewiesen. Vor ein paar Jahrzehnten gab es dutzende Nobelpreisträger, die das österreichische Bildungswesen durchlaufen hatten. Heute blicken wir neidvoll auf Bildungszwerge wie Singapur (Platz 25 im Times-Uni-Ranking), die uns längst überholt haben.

In Österreich bricht jeder zweite Maturant das Hochschulstudium ab. Eine Mehrheit der Schulabgänger ist den Anforderungen eines Mathematikstudiums nicht gewachsen. Das Desaster hat seinen Ursprung an Österreichs Schulen. Rund 30% der Schüler können nach neun Jahren Unterricht nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen. Sie sind funktionale Analphabeten. Zum Vergleich: In Hongkong gibt es unter 100 Zehnjährigen 45 Mathematik-Asse!

Wohin das im Zeitalter der Roboter und künstlichen Intelligenz führt, sehen wir bereits: Die chinesischen Konzerne Baidu, Alibaba und Tencent teilen sich mit den US-Giganten Google, Facebook, Microsoft, Skype und Amazon den europäischen Markt auf. Europa wird in Zukunft teuer dafür bezahlen, wenn es selbstfahrende Autos, Smartphones, Präzisionsmedizin, Roboter, Drohnen, 3D-Drucker, Online-Dienste oder Bezahlsysteme benützen will. Denn auf diesen Erfindungen sind zumeist US- amerikanische oder chinesische Patente angemeldet. Das macht uns abhängig, erpressbar und machtlos.

China bildet jedes Jahr eine Million Ingenieure aus. In Indiens Schulen ist die Weltelite der Computerprogrammierer zu Hause. Österreich braucht die Wende. Wir brauchen mehr Geld und mehr Autonomie für Universitäten. Wir brauchen wir ein in viele Schultypen gegliedertes, leistungsorientiertes Bildungssystem. Und wir brauchen eine neue Staatsführung. Denn zu vielen Bildungspolitikern ist es lieber, dass „alle Menschen gleich schlecht anstatt unterschiedlich gut sind“. Das ist der falsche Weg.

In Abwandlung eines Zitates von US-Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman könnte man sagen: „Was passiert, wenn ungeeignete Bildungspolitiker die Verantwortung für die Sahara bekämen? Fünf Jahre lang nichts und dann wird der Sand knapp.“

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