Gendersternchen & Co

Erneute Niederlage für „Berufs-Anti-Sexisten“. Jetzt hat auch die Gesellschaft für deutsche Sprache klargestellt: Gendersternchen (zB Leser*in) und Co. sind mit der deutschen Rechtschreibung nicht konform. Von der Verwendung wird ausdrücklich abgeraten.

Für „Berufs-Anti-Sexisten“ ist der Sommer 2020 kein guter. Erst im Juli wies das deutsche Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde auf „geschlechtergerechte Sprache“ ab. Das Höchstgericht bestätigte damit die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, wonach Banken in ihren Formularen keine Gender-Sprache verwenden müssen.

Anfang August folgte dann die Draufgabe. Die renommierte, vom Bund geförderte Gesellschaft für deutsche Sprache gab folgende öffentliche Erklärung ab: Gendersternchen und Co. sind mit der deutschen Rechtschreibung nicht konform. Von einer Verwendung werde ausdrücklich abgeraten!

Die Gesellschaft für deutsche Sprache befürworte zwar grundsätzlich eine diskriminierungsfreie Sprache. Das sogenannte Gendersternchen (zB Leser*in) stelle aber aus sprachlicher Sicht kein geeignetes Mittel dar, um dieses Anliegen umzusetzen.

„Das Gendersternchen, aber auch weitere vergleichbare Ausdrucksmittel – wie beispielsweise der Gender-Unterstrich („Leser_in“), der Gender-Doppelpunkt („Lerser:innen“) oder der Gender-Mediopunkt („Leser·in“) – sind mit den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht vereinbar“, heißt es in der Erklärung. Auch in Bezug auf die Sprechbarkeit gebe es Probleme. Wie Personenbezeichnungen mit einem Gendersternchen ausgesprochen werden sollen – beispielsweise mit einer kurzen Sprechpause – sei unklar. Die grammatikalische Richtigkeit und Einheitlichkeit, die Lesbarkeit und die Verständlichkeit eines Textes stünden an erster Stelle und müssten auch in einer diskriminierungsfreien Sprache gewährleistet sein. 

„Berufs-Anti-Sexisten“ toben nach dieser Erklärung. Denn die Uni Wien hat erst vor kurzem eine Leitlinie über geschlechtergerechte Sprache verfasst. Statt „Liebe Studenten“ heißt es dort nun „Lieb* Studierend*“ oder Liebe*r Studierende*r“. Damit man den „Genderstern*“ heraushört, sollte man beim Sprechen kurze Pausen machen. Man soll also an der Uni Wien „Liebe…r Studierende…r“ stottern. Das alles ist nun hinfällig.

Warum suchen „Anti-Sexisten“ das, was vor ihren Füssen liegt, in den Wolken? Im Deutschen – das wurde an dieser Stelle schon einmal vorgeschlagen – gibt es eine naheliegende Möglichkeit, geschlechtsneutral zu formulieren: die Verkleinerungsform. Warum sagen wir nicht einfach das Professörchen, das Kanzlerchen, das Schülerchen, das Studentlein, das ORF-Sprecherlein oder das Bischöfchen? Die Verkleinerungsform ist grammatikalisch zulässig, weder männlich noch weiblich, sondern sächlich, lesbar und leicht auszusprechen. Man könnte sogar auf regionale Besonderheiten eingehen, etwa in Kärnten: Dort sagt man nicht „du Dummerchen“, sondern „du Dummale“. Im Schweizerdeutschen heißt es ohnehin schon „das Mami“. Und die Schwaben sprechen nicht vom „Affen“, sondern vom „Äffle“.

Das ist allemal besser als Gendersprache. Wie schreibt Rene Scheu in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zum Thema Sexualisierung der Sprache von oben: „Es ist höchste Zeit, das Projekt der gegenderten Ausdrucksform zu begraben – und die Sprache ihren Benutzern zurückzugeben.“

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