Wenn Fische im Plastikmüll versinken

Vor wenigen Tagen machte ein Foto weltweit Schlagzeilen. Vor der Küste Sardiniens wurde ein totes Pottwal-Weibchen mit 22 kg Plastik im Bauch geborgen. Das trächtige Tier hatte sein 2 Meter langes, totes Junges im Bauch, das im Inneren seiner Mutter verwest war. Über 90 % aller Schäden an der Tierwelt im Meer sind auf Plastik zurückzuführen.

Fotos wie dasjenige des toten Pottwal-Weibchens mit 22kg Plastik und seinem verwesten Jungtier im Bauch sind eine Warnung. Unsere Lebensweise ist nicht zukunftsfähig. 8,3 Milliarden Tonnen Plastik sind bislang hergestellt worden. Auf jeden lebenden Menschen kommen mehr als 1000 kg Plastik. Etwa 30 Prozent sind in Verwendung. Der Rest ist  Müll. Recycling ist ein schönes Märchen. Nur lächerliche 7,5% des weltweit hergestellten Plastiks wurden wiederverwertet – und auch das zumeist nur ein einziges Mal!  

Am schlimmsten hat es die Meere erwischt – insbesondere das Mittelmeer. Erst im vergangenen Jahr wurden Rekordmengen an Mikro- und Makroplastik gefunden. In weniger als zehn Jahren kommt eine Tonne Plastik auf drei Tonnen Fisch im Meer. 90% der Seevögel sind bereits verseucht. Heute schwimmen in jedem Quadratkilometer Wasser hunderttausende Teile Plastikmüll. Sie enthalten Giftstoffe wie Weichmacher oder Flammschutzmittel, die von Sonne und Salzwasser freigesetzt werden. Auf den Weltmeeren treiben stinkende Plastikinseln. Sie sind Gift-Magneten. Die größte Müllinsel ist 16-mal größer als Österreich! Sie besteht aus, PET-Flaschen, Feuerzeugen, Zahnbürsten, Einkaufstaschen, Zigarettenkippen, Einmalrasierern, Schnüren, Gartenschläuchen und dergleichen mehr. Seevögel sterben qualvoll an Handyteilen im Magen. Schildkröten halten Plastiksackerln für Quallen und Fische verwechseln Plastikteilchen mit essbarem Plankton. Immer mehr Wale verenden. Immer mehr Seevögel ersticken oder haben tödliche Verstopfungen und verhungern bei vollem Magen. Fast alle Fische nehmen Gift und Plastikpartikel auf. Über die Nahrungskette landet das alles auf unserem Teller. Die meisten Menschen haben bereits Schadstoffe von Plastikprodukten im Blut!

Zur Verdeutlichung: PET-Flaschen und Einwegwindeln benötigen 450 Jahre bis sie im Meer zersetzt sind; Getränkedosen 200 Jahre und Styroporbecher 50 Jahre. Europa ist nach China der größte Plastikproduzent. Mikroplastik in Kosmetikprodukten wie Duschgels oder Zahnpasten, aber auch nicht recyceltes Plastik aus Einwegverpackungen gelangt in unsere Umwelt und Gewässer und weiter ins Meer. Das EU-Verbot von Plastikgeschirr ab 2021 reicht nicht aus, um den Wahnsinn zu stoppen. Wir müssen raus aus der Plastikfalle. Allein während der Urlaubszeit steigt die Müllbelastung im Mittelmeer um unfassbare 40 %! Wir brauchen nicht nur ein Klimaabkommen, sondern auch ein Abkommen für die Ozeane und eine neue Öko-Bewegung!

Krone-Gründer Hans Dichand schrieb schon vor 23 Jahren: „Ich halte gegenwärtig für das wichtigste Anliegen der Menschheit zu erkennen, dass wir zu zerstörenden Parasiten geworden sind. Es entstehen immer größere Schäden, die noch kaum in unser Bewusstsein dringen. Über den Umweltschutz hinausgehend, ist eine neue Gesinnung notwendig, ein tieferes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, mit Tieren, Bäumen und Pflanzen.“ Man kann das Gesagte auch so ausdrücken: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“

 

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